13.04.2021
Osterlachen
Osterlachen
Pfarrer, die Grimassen schneiden oder Witze erzählen: Das war im Mittelalter keine Seltenheit.
Jedenfalls zu Ostern nicht. Denn: Christus ist erstanden – lasst uns fröhlich sein!
Später geriet das Osterlachen in Verruf. Zuviel Klamauk – hieß es.
Was wohl nur ein vorgeschobenes Argument war.
Eigentlich ging es darum: Wer lacht, verliert die Furcht.
Vielleicht auch die Gottesfurcht? Osterlachen wurde zu einer suspekten Angelegenheit.
Zum Glück wird das Osterlachen neu entdeckt. Denn Ostern heißt: neue Freude am Leben.
Also rein ins Osterlachen – oder zumindest ins Osterlächeln:
Beim theologischen Examen sitzt ein ziemlich hoffnungsloser Fall zusammengesunken vor seinem Professor.
„Sie wissen ja überhaupt nichts“, sagt der.
„Können sie wenigstens einen einzigen Satz aus dem Neuen Testament auswendig?“
Leise kommt die Antwort: „Ja, doch: Freuet euch in dem Herrn.“
„Naja, und vielleicht noch einen anderen Satz?“
Da geht ein Strahlen über das Gesicht des Kandidaten:
„Und abermals sage ich: Freuet euch!“
Man kanns tatsächlich nicht oft genug sagen: Wir lesen aus dem Evangelium,
aus der frohen Botschaft – aber zu lachen gibt es in den Kirchen eher weniger.
Wohl auch, weil wir Prediger so oft schwer über schwere Dinge reden,
wie z.B. über Sterben, den Tod und das Leben danach.
Aber muß man nur schwer darüber reden? Wer sagt denn dass das Leben,
das nach dem Tod kommt, schwer und dunkel ist?
Ein altes Ehepaar stirbt zufällig am selben Tag.
Gemeinsam kommen sie zum Himmelstor und werden von Petrus empfangen.
Er macht mit ihnen eine Rundfahrt durch die himmlischen Gefilde.
Bei einer Villa halten sie an. „Ihr wart immer gut zueinander und habt fest im Glauben gestanden.
Die Villa gehört euch.“ Die beiden sind beeindruckt.
Der Mann aber macht sich Sorgen: „Wer soll denn das große Grundstück pflegen? Ich etwa?“
„Nein,“ beruhigt ihn Petrus, „ein Gärtner gehört natürlich dazu.“
„Und wer putzt die Fenster?“ fragt die Frau.
Petrus antwortet: „Machen Sie sich keine Sorgen!
Eine Hausgehilfin, eine Köchin und ein Butler gehören natürlich dazu!“
Da schaut der Mann seine Frau strafend an und sagt:
„Du immer mit deinen Herztropfen! Das hätten wir schon vor zehn Jahren haben können!“
Von Friedrich Nietzsche stammt die bissige Kritik: „Erlöster müssten mir die Christen aussehen,
wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“ Tatsächlich geht es in unserem Glauben ja um Erlösung.
Dass wir im tiefsten erlöst sind, von der Angst um uns selbst, von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.
Dass wir vielmehr ins Vertrauen gehen können, zutiefst von Gott gehalten und geliebt zu sein.
Dass uns im letzten nichts passieren kann.
Kennen Sie den?
„Ein Diktator, ein Pfarrer und ein weltreisender Student mit Rucksack sitzen in einem Flugzeug.
Plötzlich stottert der Motor und setzt dann ganz aus.
Der Pilot sagt: „Meine Herren, das Flugzeug wird in wenigen Minuten abstürzen.
Bitte nehmen Sie die Fallschirme und springen Sie ab. Leider habe ich einen Fallschirm zu wenig dabei.“
Spricht es, greift sich einen Fallschirm und springt ab.
Der Diktator sagt: „Der Pfarrer ist sowieso überflüssig, Religion ist das Opium des Volkes;
und ich bin der mächtigste Mann der Welt, ich muss einfach überleben!“,
greift nach einem Fallschirm und springt ab.
Der Pfarrer wendet sich zu dem Studenten und sagt: „Mein Sohn, ich bin Christ und glaube an das ewige Leben.
Ich muss nicht überleben. Nimm du den letzten Fallschirm!“
Der Student erwidert: „Aber nein, da sind doch noch zwei Fallschirme.
Der mächtigste Mensch der Welt hat sich meinen Rucksack gegriffen!"“
Freilich: nicht immer zeigen sich Pfarrer so glaubensstark und demütig zugleich.
Der Klerus hat seinen guten Ruf selbst kirchenintern eher verloren – aus verständlichen Gründen.
Dass es mit dem Klerikalismus und der Überheblichkeit ein Ende haben müsse,
sagen inzwischen ja selbst einflussreiche Bischöfe und Kardinäle. Ob sie damit auch sich selbst meinen?
Ein rheinischer Bischof hat seinem Papagei beigebracht,
ihn lautstark mit dem Ruf "Guten Morgen, Herr Bischof!" zu begrüßen.
Als er zum Kardinal ernannt wird, scheitern alle Versuche, dem Vogel das neue Wort beizubringen.
Schließlich wird es dem Kardinal zu bunt, er legt seine Gewänder an, nimmt Mitra und Hirtenstab,
um dem Papagei Ehrfurcht zu lehren.
Verdutzt schaut der Vogel ihn an, legt den Kopf schief und ruft: "Kölle Alaaf!"
… dass wir Abschied nehmen von falsch verstandener Ehrfurcht,
fröhlicher werden in unserem Gottvertrauenund immer wieder einen Grund finden,
zum herzhaften Lachen,
das wünsche ich uns – Ihnen und mir – in dieser Osterzeit
Ludwig Reichert