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Reise nach Innen

Reise nach Innen
Reise nach Innen
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"Reise"- Literatur

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"Die einzige Reise, von der man nicht mit leeren Händen zurückkehrt, das ist die Reise nach innen.
Im Innern gibt es keine Grenzen und keinen Zoll, man kann sogar zu den fernsten Sternen gelangen."

Amos Oz, israelischer Schriftsteller 1939 - 2018
aus: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

 

"Aber die andere Art des Suchens liegt weit höher. Sie besteht darin, dass der Mensch in seinen Grund gehe, in das Innerste und da den Herrn suche, wie dieser es uns selbst angewiesen hat, als er sprach: ,,Das Reich Gottes ist in euch!“ Wer dieses Reich finden will - und das ist Gott mit all seinem Reichtum und in seiner ihm eigenen Wesenheit und Natur -, der muss es da suchen, wo es sich befindet: nämlich im innersten Grunde (der Seele), wo Gott der Seele näher und inwendiger ist, weit mehr als sie sich selbst."

Johannes Tauler, deutscher Mystiker 1300 – 1361
aus der siebenunddreißigsten Predigt

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"Man muss wissen, dass Gott insgeheim und im Wesenskern verborgen in allen Menschen wohnt, denn wenn das nicht so wäre, könnten sie nicht bestehen. Doch gibt es bei diesem Wohnen einen Unterschied und zwar einen großen: denn in manchen Menschen wohnt er allein, und in anderen wohnt er nicht allein, in manchen wohnt er gern, und in anderen ungern; in manchen wohnt er wie im eigenen Zuhause, und in anderen wohnt er wie ein Außenstehender in fremdem Hause, wo man ihn nichts anordnen und nichts tun lässt. Die Menschenseele, in der weniger Selbstbezogenheit wohnt, ist es, wo er eher allein und lieber und mehr wie im eigenen Haus wohnt."

Johannes v. Kreuz, spanischer Mystiker  1542 – 1591
aus: Lebendige Liebesflamme

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"Der heilige Augustinus sagt, er habe Gott überall gesucht, gefunden aber habe er ihn in seinem eigenen Innern. Wie wichtig ist es für einen leicht zerstreuten Menschen, diese Wahrheit zu begreifen! Er muss nicht erst zum Himmel aufsteigen, um mit seinem Vater zu sprechen, er braucht nicht laut zu rufen, um mit ihm in Verbindung zu kommen. So leise die Seele auch spricht – der Vater ist so nahe, dass er uns hört. Man braucht keine Flügel, um zu ihm aufzusteigen. In die Stille muss man gehen und ihn im eigenen Innern anschauen."

Teresa von Avila, spanische Mystikerin, 1515 – 1582
aus: Weg der Vollkommenheit

 

"Je gesammelter ein Mensch im Innersten seiner Seele lebt, umso stärker ist die Ausstrahlung, die von ihm ausgeht und andere in seinen Bann zieht."

Edith Stein, Ordensfrau, Philosophin, 1891 – 1942 (vergast in Auschwitz)
aus: Endliches und ewiges Sein

 

"Jesus sprach zu seinen Jüngern: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch."

Johannesevangelium Kapitel 14 Vers 20

"Reise"- Begleiter

© Thomas Kleine Pfarrbriefservice.de

Elisabeth von Thüringen (1207 - 1231)

Sie hatte alles verloren. Ihren Mann, ihre Kinder, Ruhm und Ehre. Als Fürstin hatte sie ganz oben gestanden, mit der Krone auf dem Haupt. Aber weil sie als Frau ihren eigenen Kopf hatte und ihren eigenen Weg ging, hatte ihr Schwager, der Vormund  ihrer Kinder sie fallengelassen. Auf der Suche nach Trost ging sie zum Gottesdienst. 
Es ist in der Fastenzeit 1228, sie ist 21 Jahre alt.

Was sie da erlebt hat, darüber hat sie nie groß gesprochen. Ihre beste Freundin hat als Augenzeugin nach ihrem Tod davon berichtet. Während der Wandlung habe sie wie erstarrt auf die empor gehobene Hostie geschaut und ihr erst auf Nachfragen geantwortet: „Was ich da gesehen habe, darf nicht offenbart werden.... Ich habe den Himmel offen gesehen und meinen Herrn Jesus, wie er sich zu mir neigte und mich tröstete über die verschiedenen Ängste und Bedrängnisse, die mich umgeben… Er sagte: Wenn du mit mir sein willst, will ich mit dir sein.“

Dieser Augenblick, in dem sie Jesus ganz nah spürt, verändert endgültig ihr Leben. Sie lässt hinter sich was war, und fängt viele Kilometer westlich in Marburg neu an. Und das nicht in frommer Versenkung, sondern in handfester, konkreter Sorge für die Kranken und Schwachen. Das „Ich will mit dir sein“ ereignet sich für sie im „Ich will mit den Armen sein“. Sie gründet ein Hospital, pflegt dort ohne Rücksicht auf die eigene Person die Kranken und Sterbenden. Als sie sich infiziert, stirbt sie. Sie ist erst 23 Jahre alt.

 

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Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)

In Armut ist er groß geworden. Beinahe wäre er verhungert. Längst nicht für jeden ist das spanische „Goldene Zeitalter“ des 16. Jahrhunderts golden. Schließlich findet der zwar zarte, aber aufgeweckte und kluge Junge doch Unterstützung. Er geht ins Kloster, zu den Karmeliten. Diese lassen ihn an der berühmten Universität in Salamanca studieren. Aber seine Lebenserfüllung findet er dort nicht. In seiner Gottsuche leidenschaftlich und radikal, erwägt er, zu den Kartäusern überzutreten. Teresa von Avila hält ihn davon ab. Sie bewegt ihn, in seinem Orden zu bleiben und ihn mit ihr zu reformieren. Begeistert macht er sich ans Werk. Aber sein Eifer weckt Widerstand. „Mitbrüder“, die von  Reform nichts halten, lauern ihm auf und sperren ihn acht Monate lang im Kloster in Toledo ein. Dort wird er in ein dunkles Loch gepfercht, wo er ohne jede Verbindung zur Außenwelt ist, seine einzige Teilnahme am liturgischen Jahr der Kirche darin besteht, dass er freitags von seinen „Mitbrüdern“ gegeißelt - sprich: ausgepeitscht - wird. Und dennoch verzweifelt er nicht. Er wird nicht bitter und trostlos.

Ohne dass er darüber im Einzelnen spricht, lässt er später erkennen, dass sich ihm Jesus in dieser Zeit als reine Liebe zeigt. Er macht eine innere Gotteserfahrung, die sein künftiges Leben prägen wird.

Schließlich schafft er es, sich zu befreien. Er kann sich abseilen und entfliehen. Bei Karmelitinnen findet er Zuflucht und kommt zu Kräften. Für sie und viele Menschen wird er zum hoch geschätzten Begleiter auf dem inneren Weg zu sich selbst und zu Gott. Die ihm nach seiner Flucht verbleibenden vierzehn Jahre sind weit davon entfernt, eitel, Friede und Freude zu sein. Da sind die Verdächtigungen der allgegenwärtigen Inquisition, da sind die wachsenden Spannungen und Anfeindungen innerhalb seines eigenen, des reformierten Ordens. Während er die Liebe und Sanftmut Gottes predigt, setzt man auch dort wieder mehr auf Härte und Rigorismus. Schließlich wird er aller seiner Ämter enthoben und in ein weltentlegenes Kloster in Andalusien verbannt. Dort ereilt ihn die Krankheit, die zu seinem Tode führen sollte. Ein ihm feindlich gesonnener Prior hatte die notwendige Pflege und Hygiene verweigert.

Ein Leben, das viele Härten kannte, geht früh zu Ende. Zugleich war es ein Leben voller Fröhlichkeit und Lebensfreude, Freundschaftlichkeit und Erdverbundenheit. Johannes war das Gegenteil jenes todernsten, weltabgewandten Theologen, als der er oft beschrieben wurde. Als seine Mitbrüder in der Sterbestunde die üblichen ernsten Gebete verrichten wollen, lässt er sie Abschnitte aus dem alttestamentlichen Hohelied der Liebe lesen, aus jener (wie Goethe sagte) „herrlichsten Sammlung Liebeslieder, die Gott geschaffen hat.“

 

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Madeleine Delbrel (1904 - 1964)

Sie war zwar zum Katechismusunterricht gegangen – das gehörte sich damals so. Aber schon die Eltern hielten von all dem nichts. Ihr Kinderglaube wird spätestens in ihrer Pubertät er­schüttert und erweist sich als nicht mehr tragfähig: „Mit fünfzehn war ich strikt atheistisch und fand die Welt täg­lich absurder“. Mit 17 Jahren verfasst sie eine Art nihilistisches Manifest: «Gott ist tot - es lebe der Tod“.

Drei Jahre später, am 24. März 1924 erfährt sie eine heftige Konversion. Was im Einzelnen geschah – auch sie hat sich nie deutlich dazu geäußert. Und auch nur einer Freundin Jahre später gestanden, dass sie ihre Bekehrung wie eine Erleuchtung erlebt habe – wie die Begegnung mit dem unfassbaren Licht Gottes. Noch in ihrem letzten Vortrag, kurz vor ihrem überraschenden Tod im Jahr 1964, bekannte sie: "Ich bin von Gott überwältigt worden und bin es immer noch.“ 

Zutiefst ergriffen, berührt, beeindruckt, gibt sie ihrem Glauben Ausdruck. Sie weiß: Wenn ich so geliebt bin, kann ich gar nicht anders, als selbst zu lieben. Sie tut sich mit Gefährtinnen zusammen und geht mit ihnen in einen sozialen Brennpunkt. Dorthin wo man Gott kaum kennt, bringen die Drei die Botschaft des Evangeliums, indem sie danach leben.

Gerade dort wollen sie „Gott einen Ort sichern“, wie sie sagen. Sie beten und sie kämpfen für soziale Gerechtigkeit. In der Nachkriegszeit wird sie zu einer der zentralen Figuren der kirchlichen Reform und des Sozialkatholizismus in Frankreich.

 

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Teresa von Avila   (1515 - 1582)

Im Jahr 1515 kommt sie in einer wohlhabenden Familie jüdischer Herkunft im spanischen Avila zur Welt. Unter der Herrschaft der „Katholischen Majestäten“ Isabella und Ferdinand werden Juden vor die Alternative gestellt, entweder zu konvertieren oder das Land zu verlassen. Auch der Großvater baut sich als Converso eine neue Existenz auf. Als sie 14 Jahre alt ist, stirbt die von ihr bewunderte und verehrte Mutter. Zwei Jahre später steckt der Vater das junge Mädchen ins Kloster der Augustinerinnen, wo sie sittsam erzogen und auf den Ehestand vorbereitet werden soll. Sie aber will lieber Ordensfrau werden. Gegen den Willen des Vaters tritt sie bei den Karmelitinnen in Avila ein. Der Grund? Ganz einfach: Furcht vor der Hölle und Hoffnung auf den Himmel. Drei Jahre später erkrankt sie lebensgefährlich. Man hält sie bereits für tot und trifft Vorbereitungen für das Begräbnis. Doch sie lebt, rappelt sich mit eisernem Willen wieder auf. 15 Jahre hält sie das übliche Klosterleben aus, verrichtet ihre Gebete, vertrocknet aber innerlich. 1554 hat sie ein Erlebnis – eine Ekstase angesichts einer Statue des leidenden Christus -  das sie als ihre endgültige Bekehrung ansieht. Sie erfährt, dass es nicht auf ihre zahllosen Gebetsleistungen ankommt, mit denen sie meint, sich vor Gott rechtfertigen zu müssen. Sie entdeckt: Wie grenzenlos muss Gott uns Menschen lieben, wenn er zu unserer Rettung sogar seinen Sohn hingibt. Von nun an geht es  - gerade auch in ihrem Beten - nicht mehr um Angst, sondern um Liebe. Sie lebt ganz aus ihrem unkomplizierten, inneren Gebet, von dem sie sagt: „Meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“

Die Erfahrung der Nähe Gottes, so umwerfend sie auch sein mag, lässt Teresa aber genug Erdenschwere, um sich an ganz praktische Aufgaben heranzuwagen. Ab 1562 – sie ist inzwischen 47 Jahre alt – beginnt sie, ihren Orden zu reformieren, besser gesagt, neu zu gründen. Sie bereist, hauptsächlich in Eselskarren, ganz Kastilien und Andalusien und gründet in den nächsten Jahren 17 Frauen- und 14 Männerklöster. In ihnen wird ein einfacher Lebensstil ganz im Sinn des Evangeliums gelebt, frei von Enge und Rigorismus. Klar, dass ihre Aktivitäten von der Kirche und von den Orden mit größtem Argwohn betrachtet werden. Unbeirrt aber geht sie ihren Weg, stirbt am 4. Oktober 1582. Sie war eine Beterin, die den Kontakt mit der Welt niemals verlor, eine Heilige mit ausgeprägtem Sinn für das Praktische und für die Herausforderungen der Zeit. Sie hat gelehrt und gelebt, dass das Beten und der Alltag wunderbar zusammenpassen.

 

Zusammengestellt von Pfarrer Ludwig Reichert

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