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beten in dunklen Zeiten

beten in dunklen Zeiten
beten in dunklen Zeiten
© Pixabay

anlässlich seines 75. Todestages (09. April 1945). Dietrich Bonhoeffer war am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt.

„Gebete für Mitgefangene“ - so steht über diesen Worten, die Dietrich Bonhoeffer im November 1943 während seiner Haftzeit schrieb. In der Zeit äußerster Bedrohung sagt er zu Gott „Du“. Er sagt ihm seine Bitten, aber auch seinen Dank und zeigt sich zugleich gewiss, dass Gott ihn stärken und sicher durch diese harte Zeit führen wird. Für uns kann es ein Morgengebet in Corona-Zeiten sein.


Morgengebet
 

Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen
hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;
Ich kann es nicht allein
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.
Vater im Himmel,

Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht
Lob und Dank sei dir für den neuen Tag
Lob und Dank sei dir für alle deine Güte und Treue
in meinem vergangenen Leben.

Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.
Du lässt deinen Kindern alle Dinge zum besten dienen.

 

Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung,
Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.

Wer bin ich

Seit 1940 ist Dietrich Bonhoeffer im Widerstand gegen das NS Regime aktiv. Schließlich wird seine konspirative Arbeit  entdeckt. Am 5. April 1943 verhaftet ihn die Gestapo, und lässt ihn in das Gefängnis Berlin-Tegel bringen. Obwohl er immer mit einer Verhaftung gerechnet hat, war für ihn die erste Zeit im Gefängnis sehr hart. Er wurde in einer verschmutzten Zelle isoliert, niemand sprach ein Wort mit ihm. In dieser Zeit schreibt er das Gedicht „Wer bin ich?“ in dem er seine innere Zerrissenheit beschreibt, sein ständiges Wechseln zwischen Angst und Vertrauen. Vielen Menschen ist dieses Gedicht seither zu einem Trosttext in schweren Zeiten geworden. Denn keiner, der oder die sich bedroht erlebt, kann immer mutig und stark sein. Auch unsere Ängste und Schwächen haben ihr Recht und dürfen beim Namen genannt werden.
 

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft
ich spräche mit meinen Bewachern
rei und freundlich und klar
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer der siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
dringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, 0 Gott'

 

Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung,
Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.

 

Auch diese Zeilen hat der evangelische Theologe Bonhoeffer in der Zeit der Haft geschrieben. In ihnen ist sein eigener, persönlicher Glaube beschrieben. Längst ist er sich sicher: Gott wirkt in meinem Leben - gerade in den dunklen Zeiten. Auch aus Bösem kann er Gutes entstehen lassen. Und Gott gibt mir Kraft, wenn ich sie brauche.
 

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.

Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.

Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.

In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer
nicht vergeblich sind,

und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu
werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche
Taten wartet und antwortet.

Amen.

 

Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung,
Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.

Am 28. Dezember 1944 schreibt Dietrich Bonhoeffer seiner Mutter einen Geburtstagsgruß. Bis zu seiner Hinrichtung werden nur noch wenige Monate vergehen. Der Brief enthält das folgende Gedicht, das nach dem Krieg zu einem viel gesungenen geistlichen Lied wurde. Die letzte Strophe,von guten Mächten wunderbar geborgen“, ist auf Grußkarten, Kerzen und als Grabspruch verbreitet. Dass dieses Gedicht in Zeiten tödlicher Bedrohung verfasst wurde, wird dabei leicht vergessen. Gerade in diesen Corona-Zeiten kann es seine tröstende Wirkung vielleicht intensiver entfalten, als es sonst oft geschieht.
 

1. Von guten Mächten treu und still umgeben behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr;

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen noch drückt uns böser Tage schwere Last, ach Herr,
gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das Du uns geschaffen hast.

3. Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern, des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus Deiner guten und geliebten Hand.

4. Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll'n wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört Dir unser Leben ganz.

5. Laß warm und hell die Kerzen heute flammen die Du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen! Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so laß uns hören jenen vollen Klang der Welt,
die unsichtbar sich um uns weitet, all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

 

 

Quelle: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung,
Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.

Von guten Mächten

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